Indigene Völker im internationalen Klimaprozess


Für den drohenden Klimawandel zeichnen die Industrienationen mit ihrem hohen Energieverbrauch und den freigesetzten Treibhausgasen verantwortlich. Die indigenen Völker zählen hingegen zu den Kleinstverbrauchern und -emittenten. Diese  erscheinen in der Klimadebatte als Bevölkerungsgruppen, die besonders von den Auswirkungen
des Klimawandels betroffen sind, als.

 

Entsprechend weist die Klimarahmenkonvention, die 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro unterzeichnet wurde, keine Bezüge zu indigenen Gemeinschaften auf. Dasselbe gilt für das Kyoto-Protokoll, welches das ehrgeizige Ziel der Mutterkonvention, in einem überschaubaren Zeitraum die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem für das Klima verträgliche Niveau zu stabilisieren, in operationale Teilschritte übersetzen soll.

 
Indigene Gemeinschaften sind aber vom Klimawandel direkt betroffen, wie selbst das oberste Forschergremium des IPCC bestätigt. Die Folgen sind nicht nur auf den Pazifikinseln durch den Anstieg des Meeresspiegels zu registrieren oder in der Arktis, wo der Rückgang des Dauerfrostes Inuit, Saami oder Aleuten die traditionellen Fisch- und Jagdpraktiken und den Kontakt der Dörfer untereinander unmöglich macht. Auch in den Tropengebieten macht sich der Klimawandel bemerkbar. Mit den Jahreszeiten verschieben sich die landwirtschaftlichen Anbauzyklen, was die damit zusammenhängenden Rituale und Feste durcheinanderbringt und somit neben materiellen auch kulturelle Folgen hat.


Ein weiteres Problem besteht aber darin, dass aus den Klimaschutzmaßnahmen, die international im Kyoto-Protokoll festgelegt sind, neue Gefahren für die Rechte indigener Völker erwachsen können. Der sogenannte „Clean Development Mechanism“, der es den Treibhausgasemitenten des Nordens erlaubt, Klimaschutzmaßnahmen in die Länder des Südens auszulagern, geht auf die Belange der Lokalbevölkerung nicht ein. Von Wiederaufforstungs- maßnahmen in Entwicklungsländern, die private oder staatliche Einrichtungen aus Industrienationen finanzieren, um das Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre zu binden und damit die eigene Emissionsbilanz aufzubessern, sind indigene Gebiete nicht ausgenommen. In Staaten ohne gesetzlich verankertes Bodenrecht können solche „Senkenprojekte“ indigene Landrechtsansprüche untergraben.


Beitrag des Klima-Bündnis

Das Klima-Bündnis hatte großen Anteil daran, dass COICA und andere internationale Indigenenorganisationen auf diese Probleme aufmerksam wurden. 1999 haben wir für eine weltweite Gruppe indigener Experten ein erstes Seminar zu diesem Thema organisiert, und in der Folge waren wir an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer Foren zum Thema indigene Gemeinschaften und Klimawandel beteiligt. Dort konnten sich Indigene aller Erdteile auf die anstehenden Klimaverhandlungen vorbereiten, und bei der Teilnahme an den UN-Klimakonferenzen erhielten sie logistische und finanzielle Unterstützung. So konnten sich die indigenen Vorbehalte gegen die Kyoto-Maßnahmen artikulieren. Allerdings blieb der Einfluss der Indigenen auf den Fortgang der offiziellen Klimaverhandlungen gering. Immerhin haben die Indigenen mittlerweile einen Status als eigene Gruppe der Beobachter durchgesetzt, der ihrer Stellung als „wichtige Gruppe“ im Rio-Prozess oder analog zur Biodiversitätskonvention entspricht.


Gemeinsam mit seinen indigenen Partnern wird das Klima-Bündnis die Klimaverhandlungen weiter begleiten und sich darüber hinaus darum bemühen, konkrete Fragen aufzugreifen, wie z.B. Anwendungspotentiale für erneuerbare Energien in indigenen Gemeinschaften, auf traditionellem Wissen basierende Indikatoren zur Folgenabschätzung des Klimawandels oder indigene Bewertungskriterien für Senkenprojekte.