Projekt GRÜN - Ein Projekt für Amazonien


Die Anregung zum Projekt GRÜN brachte der Künstler Michael Arantes Müller 1994 aus Amazonien mit. Fasziniert von der Natur und den indigenen Kulturen erarbeitete er das Gesamtprojekt GRÜN – einen Bilderteppich aus 100 Gründbildern von 1x1 Meter. Jedes Einzelbild bezieht sich auf einen „Wortbegriff“ aus indigenen Sprachen. Mit der Übernahme von jeweils einem Grünbild durch europäische Kommunen und Institutionen löst sich das Gesamtwerk auf und wandelt sich in Patenschaften für ein soziales, ökologisches und kulturelles Projekt.


Die in Amazonien lebenden indigenen Völker nutzen und schützen mit ihrem Wissen die sie umgebende Natur mit tiefem Respekt. All diese Völker haben eigene soziale und politische Strukturen, aber auch Mythologien, historische Überlieferungen, medizinische Konzepte sowie biologische Klassifikationssysteme ausgebildet. Hier setzt das Projekt GRÜN an und bringt Akteure Europas und dem Amazonasbecken zusammen, die Umwelt und Kunst mit dem Schutz kultureller Identität und sozialer Gerechtigkeit verbinden. Aufbauend auf der jahrelangen Erfahrung von medico, unterstützen die Projektpartner die autonome (Gesundheits-)Entwicklung indigener Völker in Amazonien.
Durch die großzügigen Spenden konnten die Partner in Brasilien Hebammenkurse für indigene Frauen organisieren, Heilkräutergarten angelegen, Selbstversorgungskurse durführen und die Autonomie des Waiãpi Volkes stärken.

 

 



Projektaktivitäten









Fortbildungen für indigene Hebammen – Medizin am Fluss

Die traditionelle Medizin, die seit Jahrtausenden das Überleben der indigenen Völker im Regenwald garantiert, wird noch heute als rückständig bezeichnet. Was wenige wissen ist, dass 90 % der aktiven Substanzen der modernen Medizin aus Pflanzen, Tieren und Insekten stammen, die von der traditionellen Medizin entdeckt wurden.
Der sozialmedizinische Teil des Projekts wurde in dem brasilianischen Bundessstaat Acre realisiert. Gemeinsam mit einer Gruppe indigener Frauen konnten durch die finanzielle Unterstützung des Projekts GRÜN zwischen 2003 und 2005 fünf Hebammenkurse realisiert werden, an denen über 100 indigene Hebammen teilnahmen.
Neben der Vermittlung von medizinischen Kenntnissen, stand vor allem die Stärkung der Rolle der Frauen als indigene Hebammen im Mittelpunkt der Kurse. In Auseinandersetzung mit den Gesundheitsbehörden, wurde die Forderung nach einer staatlichen Anerkennung der indigenen Hebammen laut.
Ein großer Fortschritt war die Gründung einer politischen Vereinigung durch die Frauen.

Heilkräuter zur Erstvorsorge

Ende 2004 kam von Seiten der Hebammen der Wunsch nach einem Garten zur Anpflanzung von Heilkräutern und Gemüse auf. Schon im Mai 2005 konnte mit der konkreten Planung begonnen werden. In fünf Gebieten schlossen sich Gruppen zusammen – Frauenorganisationen, Familien oder indigene Gemeinden – die gemeinsam an einem Kräutergarten arbeiten wollten.
Vor allem für Dörfer in sehr abgelegenen Gebieten, stellte die Idee eines Kräutergartens eine wichtige Möglichkeit dar, die medizinische Erstvorsorge vor Ort leisten zu können. Die Gärten stießen auf fruchtbare Böden! Umrandet von Ziegelsteinen, bauten die Teilnehmenden eine Reihe von Beeten, auf welchen rasch eine Vielzahl von Gemüsesorten und Heilkräutern geerntet werden konnten.
Die Hebammen nutzen die Heilkräutergärten auch zu Fortbildungszwecken und organisierten Seminare mit Vorträgen und Workshops. Aus den umliegenden Gemeinden reisten die Teilnehmerinnen zu den Kräutergärten, lernten zu kochen, Tinkturen zu filtern oder auch Hustensäfte zu destillieren. Durch das Anlegen der Heilkräutergärten konnte den DorfbewohnerInnen die autonome medizinische Erstvorsorge garantiert werden!

Waiãpi – Medizinische Versorgung ohne kulturelle Übergriffe
Das Siedlungsgebiet der Waiãpi befindet sich im südöstlichen Regenwaldgebiet von Französisch-Guyana sowie in Abflussgebieten nördlich des Amazonas in den angrenzenden brasilianischen Bundesstaaten Amapá und Pará. Die Waiãpi zählen in Brasilien nur noch knapp tausend Menschen, die in freiwilliger Isolation leben. Ihre Kultur und Lebensweise ist bedroht.
Der Kontakt mit der Bevölkerung, der sich vor etwa 35 Jahren intensivierte, hat aufgrund eingeschleppter Krankheiten zu einer dramatischen Dezimierung der Waiãpi geführt. Mestizische Gesundheitsarbeiter, auch aus der näheren Umgebung, werden von den Waiãpi nicht immer akzeptiert: Misstrauen und Angst stehen dem Rassismus der nicht-indigenen Bevölkerung gegenüber.
Seit 2011 unterstützt das Projekt GRÜN das Anliegen der Partnerorganisation „Instituto de Pesquisa e Formação Indígena“ (IEPÉ), die indigenen Völker Amazoniens, und vor allem die Waiãpi, in ihrer Autonomie zu stärken.
Durch die Entwicklung von speziellen Gesundheitskursen wurde versucht die Waiãpi in Basisgesundheitsbelangen von staatlichen Behörden unabhängiger werden zu lassen. Außerdem förderten die Kurse die Stärkung der Selbstorganisation und befähigte sie, ihr Recht auf Zugang zu Gesundheitsversorgung einzuklagen.





Übersichtskarte von Brasilien


Übersichtskarte des brasilianischen Bundesstaates Acre


Die Partner im Projekt

Der Künstler und die Werke – Die Anregung zum Projekt GRÜN brachte der Künstler Michael Arantes Müller aus Amazonien mit. Fasziniert und betroffen vom Zustand der Natur und den indigenen Kulturen erarbeitete er hundert Tafelbilder von jeweils 1 x 1 Meter, die zusammen einen großen Bildteppich ergeben. Jedes Einzelbild bezieht sich auf einen "Wortbegriff" aus indigenen Sprachen.



Das Klima-Bündnis ist eine Partnerschaft von 1.700 europäischen Kommunen und dem Dachverband der indigenen Organisationen des Amazonasbeckens, COICA. Im Projekt GRÜN, sammelte und verwaltete das Klima-Bündnis die Gelder, die durch die Übernahme der Bilder gespendet wurden.



medico international e.V. begleitete die fachliche Betreuung und Abwicklung des Projekts in Amazonien. Seit 1968 arbeitet die sozial-medizinische Hilfsorganisation in vielen Ländern des Südens.


 

Die Partner in Amazonien: Uniao dos nacoes indigenas (UNI), Mulheres Indígenas do Acre, Sul do Amazonas e Noroeste de Rondônia (Sitoakore) und Instituto de Pesquisa e Formação Indígena (IEPÉ) setzen sich für die Gesundheit und Autonomie indigener Frauen, Mütter und Kinder ein und begleiteten die Projektarbeit vor Ort.


Kulturdepot e.V. fördert Kunst, Kultur und Entwicklungshilfe und ist von Beginn an unterstützend und organisatorisch im Projekt aktiv.

 

 



15 Jahre Projekt GRÜN – Ausklang des Projekts in Dresden




Seit dem Jahr 2000 begleitet das Klima-Bündnis das Kunstprojekt GRÜN: Die 100 einzelnen Ölbilder des Künstlers Michael Arantes Müller, die die vielfältigen unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes GRÜN von Indianervölkern des brasilianischen Regenwaldes illustrieren, sind von 100 europäischen Kommunen und Institutionen gegen eine großzügige Spende übernommen worden. Davon wurden von den Projektpartnern in Brasilien Hebammenkurse für indigene Frauen organisiert, Heilkräutergärten angelegt, Selbstversorgungskurse durchgeführt und die Autonomie des Waiãpi Volkes gestärkt.


Am Vorabend der Jahreskonferenz 2015 in Dresden lud das Klima-Bündnis zum feierlichen Ausklang der 15 Projektjahre ein. Dort wurde das letzte Bild von Marion Schneider an die anwesende Präsidentin der indigenen Frauenorganisation SITOAKORE, Letitia Luiza Yawanawa aus Acre in Brasilien, überreicht – als Symbol der Verbundenheit ging das letzte GRÜN-Bild zurück nach Amazonien.


Noch einmal herzlichen Dank an alle Spender und Unterstützer für das Interesse an dem Projekt, die Übernahme der Bilder und vor allem für den finanziellen Beitrag!

 

 

 

Nähere Informationen zum Projekt und den Aktivitäten in Brasilien finden Sie hier.

 

 

 

"Wir können und dürfen nicht aufhören für die gemeinsamen Rechte unserer Völker zu kämpfen, sowie für ein menschenwürdiges Leben als Bürger"
Grupo de Mulheres Indígenas - UNI

 

 



Bildergalerie

Eine Auswahl von Grünbildern




Bild Nr. 88: Baidokuni, erworben von der Hansestadt Rostock. Das Bild beschreibt die Winde, die unter der Erde wehen, um zur Rodung gelegte Feuer in die richtige Richtung zu leiten


Bild Nr. 74: Karinhyru, erworben von der Stadt Traunstein. Das Bild beschreibt die Energie der Früchte, die unter der Erde wachsen und somit aus der Welt unter der Erde kommen


Bild Nr. 86: Rami, erworben vom Thüringer Landtag. In der Sprache der Kulina beschreibt Rami einen warmen Wald, einen Zustand der grünen Umwelt


Bild Nr. 82: Hazanhyru, erworben vom Bund Deutscher Hebammen e.V. Das Bild beschreibt den Bereich unter der Erde, wo die Menschen sind, die nicht über der Erde leben. Auch die Ungeborenen